Montag, 7. Juli 2014

Tutorial: Ein Binding mit der Maschine


Als ich eintauchte in die Welt der vielen, vielen Quiltblogs, die es gibt, wollte ich ganz schnell ganz viele Decken nähen. Da das aber kurz vor meinen schriftlichen Abiturprüfungen war, hatte ich nicht unbedingt so viel Zeit zur Verfügung, als dass ich gleich eine ganze Decke hätte nähen können. Abgesehen davon war ich ohnehin gestresst genug, sodass ich beim Nähen schnelle, einfache Erfolge brauchte. Ich habe eine ganze Reihe an Mini-Quilts genäht (die zeige ich euch am Mittwoch) und habe dabei verschiedene Binding-Methoden ausprobiert. 

Das Binding war der Teil des ganzen Quiltmachens, der mir am meisten Angst gemacht hat. Und das war absolut unbegründet! Denn sobald man einmal das Prinzip verstanden hat, ist das Einfassen eines Quilts oder einer Decke absolut einfach, und mit ein bisschen Übung geht das auch noch ruck zuck! 

Was mich am Anfang überfordert hat, waren die viele verschiedenen Methoden, die zu finden waren. Mein erster Versuch ist kläglich gescheitert, bis ich mich schließlich irgendwann am einfachen Umschlagen des Backings versucht habe, das ist die Methode, die Ina von Pattydoo hier erklärt. Das hat ganz gut geklappt, aber zufrieden war ich immer noch nicht. Nach gefühlt tausend Tutorials, die ich gelesen habe, habe ich irgendwann ein Tischset mit einem klassischen Binding versehen, und siehe da, es hat geklappt. Einige Dinge habe ich dabei anders gemacht, als ich sie im Netz gesehen hatte. Deswegen kommt jetzt meine Anleitung für eine popelig einfache Einfassung einer Decke, komplett mit der Maschine genäht. Achtung, die Anleitung ist sehr, sehr lang, weil viele Bilder dabei sind. Letztendlich ist der Sachverhalt aber simpel, das kann jeder!

Schritt 1: Herstellen des Binding-Streifens


(Blöderweise habe ich von diesem ersten Teil keine Fotos gemacht, allerdings ist das auch nicht so viel und vor allem nicht kompliziert. Danach kommen sehr, sehr viele Bilder für den etwas kniffligeren Teil.)

Zunächst müsst ihr wissen, welche Maße die Decke hat, die ihr einfassen wollt. Ich habe hier eine Vliesdecke eingefasst, die 1,50m x 1,90m misst. Um die Länge meines Bindings zu berechnen, benutzt man folgende "Formel":

2 x Länge + 2 x Breite + 50cm

In meinem Fall waren das 2 x 150cm + 2 x 190cm + 40cm = 730cm. Das erscheint ziemlich lange, und ehrlich gesagt geht auch nicht gerade wenig Stoff für so eine Einfassung drauf. Da es natürlich keinen Stoff gibt, der 7,20m breit ist, muss das Binding gestückelt werden. Dazu muss zunächst die Anzahl der einzelnen Streifen berechnet werden. Hierzu gibt es wieder eine (zugegebenermaßen unglaublich komplizierte) Formel:

Anzahl der Streifen = Gesamtlänge des Bindings / Gesamtbreite des Stoffes.

Ich habe für die Einfassung einen US-amerikanischen Stoff verwendet, der ist lediglich 110cm breit. Deutsche Stoffe liegen meistens 140cm breit, aber einmal nachzumessen, schadet nicht! In meinem Fall heißt das also:

Anzahl der Streifen = 730 / 110 = 6,63

Die Zahl am Ende rundet man auf, in meinem Fall kommen also 7 Binding-Streifen bei raus. Die schneidet man dann aus dem ausgelegten Stoff zu, ich mache das mit einem Patchworklineal und einem Rollschneider. Die Breite der Binding-Streifen beträgt 6,5cm. Es ist wichtig, dass diese Breite durchgängig dieselbe ist, also dass man nicht an einer Stelle des Bindings eine Breite von 5cm und an einer anderen eine von 7,5cm hat. Lieber noch einmal nachmessen, als danach mit zu schmalen Streifen dazustehen!

Diese Streifen näht man dann einfach aneinander, und zwar so, dass jeweils die schönen Stoffseiten beim Nähen zueinanderzeigen.


Dann bügelt ihr alle Nahtzugaben auseinander, ich drücke immer richtig auf das Bügeleisen drauf, damit alles schön flach liegt.


Jetzt kommt der eigentliche Bügelaufwand: Der gesamte Streifen muss gefaltet werden, sodass er nur noch 3,25cm breit ist, und so flachgebügelt werden. Dazu legt ihr einfach immer die beiden offenen Säume aufeinander und fährt mit dem Bügeleisen drüber.


Wenn ihr damit fertig seid, habt ihr euren Bindingstreifen fertig - jetzt kann man ihn schön zusammenrollen, das ist praktischer, ansonsten stolpert ihr am Ende noch über 7 Meter Stoffstreifen ...



Schritt 2: Anbringen des Bindings


Der Binding-Streifen wird mit den offenen Enden nach "außen" auf den Rand der Decke gelegt und dort nähfüßchenbreit ( also mit einer Nahtzugabe von 0,7cm) festgenäht.


Wichtig ist dabei, dass ihr nicht am Anfang des Streifens beginnt, ihn auf der Decke festzunähen, sondern ca. 20cm davon entfernt, Das lose Stück, das dabei hinten bleibt, wird nachher noch benötigt! Und ganz wichtig: Das Vernähen am Anfang und Ende einer jeden Naht nicht vergessen!


Wenn ihr an eine Ecke kommt, stoppt ihr ca. 0,7cm vor der Ecke und vernäht den Faden. Das ist die Stelle, auf die der Stift im Bild zeigt:


Dann klappt ihr den Stoff einmal nach oben um ...


... und dann wieder nach vorne, sodass so etwas entsteht:


Hier wird nun vom Rand der Decke an angefangen, das Binding anzunähen. Das sieht dann so aus:


Ihr fahrt mit dem Annähen fort bis zur nächsten Ecke, dort ist es dann genau dasselbe Prozedere. Wenn ihr alle vier Ecken hinter euch gebracht habt und auf der Seite der Decke angelangt seid, auf der ihr auch angefangen habt, dann näht ihr bis ca. 20cm vor der Stelle, an der ihr angefangen habt. Die Naht verriegelt ihr dann natürlich auch wieder.


Ihr habt jetzt zwei Streifen, die von der Decke weghängen. Ich nehme jeden meiner Streifen und schneide ihn so ab, dass das lose Stück nur noch 15cm lang ist. Dann nehmt ihr den linken Streifen und steckt ihn bis ca. 7-8cm vom Nahtende her fest. Die rechte Stecknadel sollte so stecken, dass man den Teil Stoff, der nicht festgesteckt ist, herumklappen kann (also im rechten Winkel zum Deckenrand).


Genau das macht ihr jetzt: Ihr klappt den rechten, überlappenden Teil um und steckt ihn erneut fest.



Dann nehmt ihr das rechte lose Ende und tut genau das, was ihr eben mit dem linken Streifen gemacht habt. Achtet darauf, dass die beiden Stecknadeln, um die man den Streifen umklappt, sehr, sehr eng beieinander liegen.



Jetzt kommt wieder das Bügeleisen ins Spiel: Bügelt fest über die umgeknickten Streifenenden, ich drücke das Bügeleisen normalerweise richtig runter, indem ich mich darauf abstütze.


Nachdem ihr so fest gebügelt habt, dass ihr euch sicher sein könnt, dass man die Knicke auch wirklich gut sehen kann danach, könnt ihr die Stecknadeln entfernen. Ich präsentiere euch mein Stecknadelkissen in Übergröße: Das Bügelbrett. (Man muss nur dran denken, die Nadeln danach wieder zu entfernen ...)


Aber zurück zu unseren Streifen. Ihr faltet die Streifen auseinander und fahrt die gebügelten Knicke mit einem wasserlöslichen Stift nach.


Dann schneidet ihr die Streifen genau einen Zentimeter hinter diesen gebügelten/gezeichneten Markierungen ab, ich benutze dafür ein Patchworklineal und meinen Rollschneider, aber natürlich geht das auch mit einer Schere. Hier ist akkurates Arbeiten besonders wichtig!


Dann legt ihr die beiden Streifen rechts auf rechts aufeinander - aufpassen, dass sich nichts verdreht! - und näht sie mit 1cm Nahtzugabe an den beiden Enden zusammen. Ich habe hier blaues Garn verwendet, damit der Kontrast stärker ist und man das auf den Fotos gut sieht.



Jetzt bügelt ihr die Nahtzugabe auseinander, ...


... klappt den Streifen wieder zusammen und bügelt gut drüber.


Wenn alles gut gegangen ist, müsste euer Binding genau flach auf der Decke aufliegen und weder spannen noch Wellen werfen. Festgenäht ist es aber natürlich noch nicht!


Das geschieht jetzt. Setzt einfach an der alten Naht an, verriegelt gut und näht dann das noch lose Stück an die Decke an.


Das Binding ist jetzt vollständig an die Decke angenäht und müsste jetzt ungefähr so ausschauen:


(Vliesdecken sind leicht dehnbar, deswegen wirft mein Rand leichte Wellen. Mir gefällt das aber, deswegen hab ich das gelassen. Bei Baumwolldecken, also traditionellen Quilts, geschieht das aber in der Regel nicht.)

Schritt 3: Beidseitiges Anbringen des Bindings


Das ist der Teil, der wohl am kniffligsten ist. Mit einer Bindingbreite von 3,25cm sollte das aber eigentlich auch kein Problem sein. Nehmt eure Decke und setzt euch mit einem Haufen Stecknadeln irgendwo gemütlich hin. Ihr werdet jetzt das Binding um den noch offenen Rand umschlagen. Dafür nehmt ihr den Rand so:


Ihr schaut, dass das Binding eng an der bereits genähten Naht anliegt ...


... und klappt es um, auf die andere Seite. Dort steckt ihr euch eine Stecknadel (die ist im Bild nicht zu sehen). Schaut, dass die Stecknadel so weit zum Deckeninneren wie möglich positioniert ist. Wenn ihr die Decke jetzt umdreht, müsstet ihr den Mittelteil der Stecknadel im "Deckeninneren", also in meinem Fall der blaue Vlies, erkennen können. Dieser Mittelteil darf auf keinen Fall im Binding stecken!


Steckt euch nun viele, viele Stecknadeln, um die gesamte Decke herum. Ich finde einen Abstand von 5-10cm ganz praktisch, besonders bei einem so dehnbaren Stoff wie Vlies. Letztendlich bleibt das aber jedem selbst überlassen, manchmal lasse ich sie auch ganz weg. Am Anfang hatte ich aber die Stecknadeln im Abstand von 4cm gesetzt und war sehr dankbar darüber!


Auch hier sind die Ecken im Prinzip ganz einfach: Ihr nehmt sie in die Hand ...


... und schlagt das Binding um die Ecke herum. Wenn ihr vorhin die Nähte richtig genäht und vor allem auch fest verriegelt habt, dann müsste das so ausschauen:


Dann dreht ihr die Decke so, dass die "Stecknadelkopfseite" (fällt jemandem ein besserer Begriff ein?) oben liegt. Steckt zunächst das Binding dort fest, wo vorher schon Stecknadeln stecken.

Dann schlagt ihr die andere Seite auch um und steckt das gut fest - am besten doppelt:


 Wenn ihr um die ganze Decke herum Stecknadeln gesteckt habt, könnt ihr anfangen, das Binding endgültig festzunähen. Kontrolliert nochmal, ob auch wirklich keine Stecknadeln auf der "Stecknadelmitteseite" (also auf der Seite, wo sie nicht pieksen können) im Binding gelandet sind.

Wenn ihr einen Kanten- oder einen Reißverschlussnähfuß habt, könnt ihr diesen nun anbringen. Ich stelle meine Nadelposition so ein, dass ich immer genau 1,5mm von der Innenkante des Bindings entfernt nähe. Einen solchen Nähfuß zu besitzen, ist praktisch, aber es geht definitiv auch mit einem normalen Fuß. Ich würde dann aber empfehlen, etwas langsamer zu nähen und die Nadelposition öfter zu überprüfen. 

Wichtig ist jetzt auch die Farbe des Fadens: Der Unterfaden sollte zur Rückseite, der Oberfaden zum Binding passen. Ich habe in diesem Fall dunkelblauen Unterfaden benutzt, damit man das in den Bildern sehen kann.


So näht ihr jetzt um den gesamten Quilt herum, achtet dabei, dass ihr zwar immer knapp an der Kante des Bindings, aber dennoch auf dem Binding näht. Nur so kann's halten :) Falls ihr doch einmal nebenraus nähen solltet (was wirklich sehr, sehr leicht passiert), macht das nichts. Einfach die Naht verriegeln, den Faden abschneiden und eine neue Naht vor der offenen Stelle ansetzen! Wenn ihr das nicht macht, habt ihr nachher solche offenen Stellen:


Auch bei Schritt 3 sind die Ecken (natürlich!) wieder ein Sonderthema: Ihr näht solange, bis ihr mit der Nadel genau so in der Ecke drin seid, dass ihr beide Seiten des Bindings erfasst. Dort lasst ihr die Nadel stecken, hebt das Nähfüßchen hoch, dreht eure Decke einmal um 90 Grad, senkt das Nähfüßchen wieder und setzt die Naht fort. So wird die Ecke perfekt! Passt auf, dass ihr nicht zu weit in die Ecke hineinnäht.


Wenn ihr einmal ganz rumgenäht habt, dann ist eure Decke fertig eingefasst. Hurra!
Die beiden unterschiedlichen Seiten sehen dann so aus:



Hier ist ein Bild einer Ecke. Hätte ich einen etwas helleren Faden verwendet, so wäre er garnicht zu sehen. Wichtig ist, dass man mit der Naht nie in das Binding der Rückseite gerät. Da lohnen sich viele Stecknadeln! :)


So, meine Decke ist fertig und wandert jetzt zu meiner Mutter auf ihr Bett. Wie hat euch das Tutorial gefallen, war es verständlich?

Viele liebe Grüße und einen guten Start in die neue Woche!

Viele Grüße

- Mara





1 Kommentar:

  1. Wow, da hast du dich aber ins Zeug gelegt. Ich hoffe, du kommst vor lauter Schreiben noch zum Nähen! ;-)

    LG Eva

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